Die Rolle psychischer Erkrankungen beim Erfahren und Ausüben von Gewalt

B5_DeepDive

Freitag, 16. Oktober | 14.00–15.30 | Schloss Herrenhausen 

  • Prof. Dr. Ute Habel, Leiterin des Instituts für Translationale Neurowissenschaft und Klinische Psychologie, Uniklinik RWTH Aachen
  • Prof. Dr. Johannes Kirchebner, Direktor der Universitätsklinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD Bern) und apl. Professor für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Bern
  • Charlotte Walther, Redakteurin für Medizin und Lebenswissenschaften, Science Media Center Germany (SMC) [Moderation]

Nach Anschlägen wie in Magdeburg, Aschaffenburg, München oder Leipzig dreht sich die öffentliche Debatte schnell um die psychische Verfassung der Täter: Warum hat die Person diese Tat begangen? Welche Maßnahmen könnten das zukünftig verhindern? Die Themen psychische Erkrankungen und Gewalt sind somit auch medial eng verknüpft und rufen politische Maßnahmen auf den Plan.

Die Bundesregierung hat das Ziel formuliert, Risikopotenziale bei Personen mit psychischen Auffälligkeiten früherkennen und ein Risikomanagement einführen zu wollen, das in den Ländern durch Änderungen des Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes (PsychKG) umgesetzt werden soll. Dabei bewegt sich der politische Diskurs zwischen dem Wunsch nach mehr Sicherheit und der Frage, wie sich die Weitergabe sensibler Daten und potenzielle Freiheitseinschränkungen rechtfertigen lassen.

Bekannte Risikofaktoren für Gewalttaten sind beispielsweise eine kriminelle Vorgeschichte, Gewalterfahrungen, ein geringer Bildungsstand und das männliche Geschlecht. Aber auch Symptome bestimmter psychischer Erkrankungen – beispielsweise Abhängigkeitserkrankungen oder Schizophrenie – können das Risiko für Aggressivität und Gewalttaten erhöhen. Allerdings wird nur ein Anteil der Personen mit Kombinationen dieser Risikofaktoren tatsächlich zum Täter oder zur Täterin.

In dieser Session wollen wir herausarbeiten, was wir über den Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Aggressivität beziehungsweise Gewalttaten wissen: Sind Menschen mit psychischen Erkrankungen tatsächlich aggressiver als die allgemeine Bevölkerung? Gibt es einen Zuwachs an Gewalt durch psychisch Erkrankte?

Ebenso wollen wir der Frage nachgehen, wie man Gewalttaten effektiv vorbeugen kann und welche Maßnahmen zur Prävention geeignet sind – und was wir bei der Berichterstattung unbedingt beachten sollten.